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Archive for November 2007

Die Flora der Bahnanlagen Oberösterreichs

Was 1996 mit den Vorarbeiten zu einer Hausarbeit für die Pädagogische Akademie Linz (PADL) begann, entwickelte sich zu einem aufwändigen Gemeinschaftsprojekt von Gerhard Kleesadl (Linz), Mag. Helmut Melzer (Zeltweg) und mir.

Seit dem Jahr 1996 wurden die Bahnanlagen Oberösterreichs einer botanischen Untersuchung unterzogen. Anfangs konzentrierten wir uns vor allem auf die Bahnhöfe, später berücksichtigten wir auch vermehrt kleinere Haltestellen und Streckenabschnitte mit deren Böschungen.

Dabei stellte sich heraus, dass es gerade auf Bahnhöfen begünstigt durch die Verladetätigkeiten regelmäßig zu Verschleppungen bzw. zu Ansiedelungen fremder Pflanzensippen kommt. Es gelang der Nachweis vieler neuer Pflanzenarten bzw. -sippen für unser Bundesland. Bei Tragopogon pratensis subsp. minor handelte es sich sogar um einen Neufund für die Flora Österreichs (Hohla & al. 2002).

Der Kleine Wiesen-Bocksbart (Tragopogon pratensis subsp. minor) - ein Neufund für Österreich!

Besonders eindrucksvoll erwies sich die Präsenz des Purpur-Storchschnabels (Geranium pupureum), der in Oberösterreich inzwischen auf den Bahnanlagen – und nur dort – weit verbreitet ist.

Die offenerdigen, trockenrasenartigen Zwischenbereiche der Bahnhöfe kommen vor allem den mediterranen und pannonischen Florenelementen entgegen. Dies gilt auch in hohem Maße für seltene, bedrohte heimische Pflanzen, die auf den Bahnanlagen eine (letzte?) Rückzugsmöglichkeit finden. Besonders günstig sind die Bedingungen für eine Reihe von Frühjahrsannuellen, die durch die regelmäßigen Anwendungen von Herbiziden durch den Bahnerhalter vermutlich sogar gefördert werden. Zu diesen Einjährigen zählen vor allem die Hornkräuter (Cerastium spp.), welche auf Bahnanlagen in Oberösterreich viel weiter verbreitet sind, als ursprünglich angenommen. Gleiches gilt für die beiden in unserem Bundesland als ausgestorben geglaubten Wimper-Mastkraut-Sippen (Sagina apetala), die auf einigen Bahnhöfen sogar Massenbestände ausbilden. Das Eifrucht-Hungerblümchen (Draba praecox), eine vor unseren Untersuchungen in Oberösterreich nicht sicher nachgewiesene Art, konnte auf den gesamten unversiegelten Bereichen der Linzer Straßenbahntrasse sogar bei weitem häufiger beobachtet werden, als das Schmalfrucht-Hungerblüchen (Draba verna).

Insgesamt konnten bei den Untersuchungen unserer Bahnanlagen 17 in Oberösterreich ausgerottete bzw. ausgestorbene Arten, 27 vom Aussterben bedrohte Arten, 27 stark gefährdete Arten, 91 gefährdete Arten und 11 bisher für Oberösterreich nicht sicher nachgewiesene Arten festgestellt werden (Hohla & al. 2005). Auch wenn dieser Lebensraum vielen bedrohten Pflanzenarten Platz gewährt, so darf jedoch nicht vergessen werden, dass es sich dabei um ein Ersatzhabitat handelt.

Bisher wurden von uns insgesamt 1214 Taxa auf oberösterreichischen Bahnanlagen festgestellt (Hohla & al. 1998, 2000, 2002, 2005).

Michael Hohla
Therese-Riggle-Str. 16
4982 Obernberg am Inn
m.hohla@eduhi.at

Literatur:

Hohla M., Kleesadl G. & H. Melzer (1998): Floristisches von den Bahnanlagen Oberösterreichs. — Beitr. Naturk. Oberösterreichs 6: 139-301.

Hohla M., Kleesadl G. & H. Melzer (2000): Neues zur Flora der oberösterreichischen Bahnanlagen – mit Einbeziehung einiger grenznaher Bahnhöfe Bayerns. — Beitr. Naturk. Oberösterreichs 9: 191-250.

Hohla M., Kleesadl G. & H. Melzer (2002): Neues zur Flora der oberösterreichischen Bahnanlagen – mit Einbeziehung einiger Bahnhöfe Bayerns – Fortsetzung. — Beitr. Naturk. Oberösterreichs 11: 507-577.

Hohla M., Kleesadl G. & H. Melzer (2005): Neues zur Flora der oberösterreichischen Bahnanlagen. — Beitr. Naturk. Oberösterreichs 14: 147-199.

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